Glow25 – eine Berliner Kollagenmarke, die in den letzten Jahren praktisch zum Synonym für „Kollagen“ im deutschsprachigen Internet geworden ist. Influencer-Werbung, Amazon-Bewertungen, Diskussionen in Facebook-Gruppen. Und inmitten dieses Stroms eine Frage, die immer wieder auftaucht: Stimmt es, dass man von Glow25 zunimmt? Hier lohnt sich ein genauer Blick darauf, was bei der Einnahme von Kollagen tatsächlich mit dem Gewicht passiert.
Was in Glow25 enthalten ist
Das Hauptprodukt von Glow25 ist ein hydrolysiertes Kollagenpulver, gewonnen aus Häuten von Weiderindern. Das Kollagen wird in Peptide (kurze Aminosäureketten) aufgespalten, um die Aufnahme im Darm zu verbessern. Die empfohlene Portion beträgt 1 bis 2 Esslöffel pro Tag, aufgelöst in Kaffee, Tee oder Wasser.
Der Kaloriengehalt einer Portion (15 g) liegt bei 50 bis 55 kcal. Es handelt sich um Protein, und Protein enthält Kalorien wie jedes andere auch. Aber 55 kcal sind weniger als in einer Banane. Für den Aufbau von Fettgewebe braucht es einen dauerhaften Kalorienüberschuss. Eine Portion Kollagen erzeugt diesen nicht.
Was in einer Standardportion Glow25 (15 g) steckt:
- Eiweiß – 13,5 g
- Fett – 0 g
- Kohlenhydrate – unter 0,5 g
- Kalorien – 50 bis 55 kcal
- Zucker, Hormone, Appetitanreger – nicht enthalten
Woher das Gefühl einer Gewichtszunahme kommt
In Bewertungen auf deutschen Plattformen beschreiben einige Nutzerinnen Blähungen, Wassereinlagerungen und eine Zunahme auf der Waage in den ersten Tagen oder Wochen der Einnahme. Das ist kein Fett. Doch die Zahl auf der Waage steigt tatsächlich, und zwar aus folgenden Gründen.
Kollagenpeptide sind Protein. Protein bindet Wasser im Gewebe (jedes Gramm Protein kann unter bestimmten Bedingungen bis zu 3 g Wasser binden). Wenn man vor Beginn der Einnahme wenig Protein zu sich nahm, reagiert der Körper auf die neue Zufuhr mit Wassereinlagerungen. Diese sind vorübergehend. Nach 1 bis 3 Wochen stabilisiert sich der Wasserhaushalt.
Der zweite Faktor ist die Verdauung. Manche Menschen reagieren auf hydrolysiertes Kollagen mit Blähungen. Der Bauch wird dicker, die Kleidung sitzt enger, und subjektiv fühlt sich das wie eine Zunahme an. Auf der Waage zeigt sich dann ein Plus von 0,5 bis 1 kg – ausschließlich durch Wassereinlagerungen und Darminhalt.
Häufige Ursachen für eine scheinbare Zunahme auf der Waage bei Kollageneinnahme:
- Wassereinlagerungen durch erhöhte Proteinzufuhr
- Blähungen und verlangsamte Darmtätigkeit in den ersten Tagen
- Erhöhung der Gesamtkalorienzufuhr (Kollagen zusätzlich zum Frühstück, nicht als Ersatz)
- Wiegen zu unterschiedlichen Tageszeiten oder auf verschiedenen Waagen
Was die Wissenschaft zu Kollagen und Gewicht sagt
Studien bestätigen keinen Zusammenhang zwischen Kollageneinnahme und dem Aufbau von Fettmasse. Eher das Gegenteil.
Eine randomisierte kontrollierte Studie aus dem Jahr 2024, veröffentlicht im Fachjournal Nutrients (López-Yoldi et al.), untersuchte die Wirkung eines modifizierten Kollagens bei Menschen mit Übergewicht. Die Teilnehmer nahmen 3 Monate lang täglich 20 g Kollagen ein – ohne begleitende Diät. Das Ergebnis: Abnahme des Körpergewichts, Verringerung des BMI und des Taillenumfangs. Die Autoren führten den Effekt darauf zurück, dass das Kollagen im Magen aufquoll, ein Sättigungsgefühl erzeugte und appetitregulierend auf das Hormon Leptin wirkte.
Eine weitere Arbeit aus dem Jahr 2023 (Park et al.) an Menschen über 50 zeigte, dass 15 g Kollagenpeptide täglich über 12 Wochen den Körperfettanteil senkten, ohne das Gesamtgewicht oder den BMI zu verändern – insbesondere bei körperlich aktiven Teilnehmern.
Es gibt allerdings auch Daten in die andere Richtung. Eine Studie aus dem Jahr 2019 (Jendricke et al.) verglich Kollagen mit Molkenprotein bei Frauen mit Übergewicht. Die Kollagengruppe nahm über 8 Wochen etwas mehr Gewicht zu als die Molkenproteingruppe. Hier ist jedoch ein wichtiger Hinweis: Die Zunahme könnte auf einen Anstieg der fettfreien Masse (Muskeln, Bindegewebe) zurückzuführen sein, nicht auf Fett.
Drei Studien im Vergleich:
| Studie | Dosis und Dauer | Ergebnis in Bezug auf das Gewicht |
| López-Yoldi et al., 2024 (Nutrients) | 20 g/Tag, 12 Wochen | Abnahme von Körpergewicht und BMI |
| Park et al., 2023 (Nutrients) | 15 g/Tag, 12 Wochen | Weniger Körperfett, Gewicht stabil |
| Jendricke et al., 2019 | Kollagen vs. Molkenprotein, 8 Wochen | Leichte Zunahme in der Kollagengruppe (vermutlich fettfreie Masse) |
Kollagen und der Eiweißstoffwechsel
Kollagen ist ein unvollständiges Protein. Es enthält kein Tryptophan und wenig Methionin. Damit ist es nicht in der Lage, die Hauptquellen für Eiweiß (Fleisch, Fisch, Eier, Hülsenfrüchte) zu ersetzen. Als Ergänzung zur Ernährung erfüllt es jedoch seinen Zweck.
Die Aminosäuren des Kollagens – Glycin, Prolin, Hydroxyprolin – haben jeweils spezifische Funktionen:
- Glycin ist an der Synthese von Kreatin und Serotonin beteiligt
- Prolin unterstützt die Struktur von Knorpel und Blutgefäßen
- Hydroxyprolin ist spezifisch für Bindegewebe und kommt in anderen Proteinen kaum vor
Für die Verwertung dieser Aminosäuren braucht der Körper Vitamin C. Ohne Vitamin C wird Kollagen nicht in das Gewebe eingebaut. Glow25 enthält in seinem Standardpulver kein Vitamin C – der Hersteller empfiehlt eine separate Einnahme.
Wann Vorsicht geboten ist
Vereinzelte Erfahrungsberichte beschreiben Hautunreinheiten, Kopfschmerzen, Übelkeit. Diese Reaktionen treten selten auf und stehen nicht im Zusammenhang mit einer Gewichtszunahme. Die Ursachen sind unterschiedlich:
- Individuelle Unverträglichkeit gegenüber Bestandteilen (Allergie auf Rindereiweiß)
- Reaktion auf Verunreinigungen – die Rohstoffqualität unterscheidet sich von Hersteller zu Hersteller
- Zu hohe Dosierung in den ersten Tagen – der Körper hat nicht genug Zeit, sich anzupassen
Wenn Blähungen oder Wassereinlagerungen nach 2 bis 3 Wochen nicht abklingen, ist eine Pause sinnvoll. Kehrt das Gewicht danach auf den vorherigen Wert zurück, lag die Ursache bei der Flüssigkeitseinlagerung. Falls nicht, sollte der gesamte Speiseplan überprüft werden: Möglicherweise wurde der Kollagendrink zum Frühstück hinzugefügt statt etwas anderes zu ersetzen – und die Gesamtkalorienzufuhr ist unbemerkt gestiegen.
Einfluss auf Appetit und Essverhalten
Hier ist die Lage nicht eindeutig. Protein stärkt grundsätzlich das Sättigungsgefühl. Doch Kollagen ist ein weniger wirksamer Appetitzügler als Molkenprotein oder Kasein. Es sättigt schwächer.
Manche Glow25-Nutzer geben das Pulver in ihren Morgenkaffee und betrachten das als „Frühstücksersatz“. Tatsächlich sind 55 kcal aus Kollagen kein Frühstück. Nach einer Stunde kehrt der Hunger zurück, und die Versuchung, mit einem Snack gegenzusteuern, ist groß. Am Ende sinkt die tägliche Kalorienzufuhr nicht – manchmal steigt sie sogar.
Wie sich Kollagen ohne Auswirkung auf das Gewicht in den Speiseplan einbauen lässt:
- zu einer vollständigen Mahlzeit hinzufügen, nicht anstelle einer Mahlzeit
- den Kaloriengehalt der Portion in der Tagesbilanz berücksichtigen
- die Portion nicht verdoppeln in der Hoffnung auf einen verstärkten Effekt
- ausreichend Wasser trinken – das unterstützt die Verdauung und verringert Blähungen
Gibt es Grund zur Sorge bei Glow25 und Gewichtskontrolle
Kollagenprodukte, darunter Glow25, verursachen bei empfohlener Dosierung keine Zunahme an Fettmasse. Eine kurzfristige Zunahme von 0,5 bis 1,5 kg in den ersten Wochen ist Wasser, kein Fett. Sie geht von selbst zurück.
Allerdings ist Kollagen auch kein Mittel zum Abnehmen. Es dient der Unterstützung von Haut, Gelenken und Bindegewebe. Von Kollagen eine Gewichtsabnahme zu erwarten, wäre so, als erwarte man von einem Regenschirm, dass er den Regen stoppt. Der Schirm schützt – aber der Regen fällt trotzdem.
Wenn Gewichtskontrolle das Ziel ist, lohnt es sich, den Blick auf den gesamten Speiseplan, die körperliche Aktivität und den Schlaf zu richten. Kollagen ist in diesem Zusammenhang ein neutraler Begleiter. Kein Feind, kein Retter.